Vom Streuner zum Therapiehund

  • Sabine Scherer
  • Erfolge

Eine Geschichte von einem Hund der BESONDERER nicht sein kann

Anfang Mai 2019 durfte die Mischlingshündin Emma das Tierheim in Rumänien verlassen, in dem sie fast 4 Jahre(!) ihres Lebens verbracht hatte.
Als sie ca. 1 Jahr alt war, wurde sie auf der Straße gefunden und kam ins Maoland Shelter nach Harsova. Fast 4 Jahre lebte sie in einem kleinen Zwinger, Kälte, Hitze und allen Wetterbedingungen hilflos ausgeliefert. Nur sehr selten menschliche Zuneigung und Liebe, kein Auslauf, keine Beschäftigung.

Doch dann kam der Anruf…
Eine Familie, ein Kind mit Behinderung, 8 Jahre alt sucht einen Hund der ihr zur Seite steht. Da die Nachbarn der Familie bereits einen Hund von uns adoptiert hatten, waren wir die erste Wahl.
Das Team wusste sofort welcher Hund passen würde: EMMA! Die Anforderungen waren hoch:

- 4 Kinder (von 1 bis 8)
- 1 Kind mit schwerer Behinderung
- ein Hund der zum Therapiehund ausgebildet werden kann, nicht sehr ängstlich ist, sich nicht durch Geschrei aus der Ruhe bringen lässt, nicht vor wildem Rumfuchteln Angst bekommt, souverän und liebevoll bleibt, eine hohe Toleranz, ruhig genug um neben einem Rollstuhl zu laufen... etc.
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Einige werden jetzt denken: "ein Hund aus dem Ausland? Aus dem Tierheim? Für so eine Aufgabe?"
Ja! Wir waren sicher, Emma kann das!

Gesagt, getan!
Um sicher zu gehen, dass es auch wirklich passt, kam Emma vorerst zu Jana auf Pflegestelle. Schon nach 2 Tagen war klar: Emma ist wie gemacht für diese verantwortungsvolle Aufgabe.
Bereits nach 3 Tagen stand der erste Besuch an und es hätte nicht besser klappen können! Emma erkundete neugierig das Haus, hielt sich anfangs noch sehr höflich zurück.
Schnell suchte sie die Nähe zu den Kindern und vor Allem zu Sophia, dem Mädchen mit der geistigen Behinderung.

Auch für Sophia schien es spannend: Sie wippte aufgeregt hin und her, fuchtelte mit den Armen und äußerte auch verbal ihre Freude über Emma.
Was uns aber am Meisten verwunderte war Emmas Reaktion:
Völlig unbeeindruckt setzte sie sich ganz dicht vor Sophia, hielt ihren Kopf hin als wolle sie sagen: "Hallo, wer bist du denn? Möchtest du mich streicheln?"
Das hat uns die Sprache verschlagen!

Dass Emma einen tollen Charakter hat wussten wir, aber eine so neue Herausforderung so liebevoll zu meistern, das können nur sehr wenige Hunde. Auch für "super sozialisierte Hunde aus Deutschland" ist so ein Verhalten äußerst selten!
Emma zeigte sich schon beim ersten Treffen unbeeindruckt vom Rollstuhl und lief toll an der Leine nebenher. Sie war geduldig und zärtlich im Umgang mit den Kindern und wollte keinen Fehler machen. Sie war perfekt! Schon 4 Tage später zog Emma dann in ihr neues Zuhause. Die Familie ist überglücklich mit ihr und auch Emma wirkt mehr als zufrieden!

Hoffentlich kann schon bald die Ausbildung zum offiziellen Therapiehund begonnen werden (es werden noch freie Stellen gesucht).
Aber Emma hat schon jetzt eine wichtige Rolle an Sophias Seite und bereichert die Familie mit ihrer sensiblen und liebevollen Art.

TIERHEIMHUNDE sind NICHT gestört, verhaltensauffällig, aggressiv und unberechenbar! JEDER HUND hat seine ganz eigene Geschichte, seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse die ihn zu dem machen was er ist…. zu etwas EINZIGARTIGEM.

Jeder Hund hat eine Geschichte zu erzählen, verarbeitet neue Dinge auf seine Art und Weise und benötigt unterschiedlich viel Zeit um sich zurechtzufinden und neue Dinge zu erlernen.

EMMA ist ein wundervolles Beispiel für einen Hund der sich keine Gedanken über Vorurteile macht. Ein Hund der schon Einiges mitgemacht hat und den genau das zu einem sensiblen, einfühlsamen und liebevollen Hund gemacht hat.Kein Lebewesen der Welt ist perfekt, aber Jeder ist es Wert und hat es verdient geliebt zu werden.

Ein Hund muss nicht reinrassig, kein Welpe, kein Hund vom Züchter sein, um ein Familienmitglied zu werden dem man vertraut und der so eine vertrauensvolle Aufgabe erfüllen kann.

Hündin Emma aus dem Maoland mit ihrer Familie